Sitzbedingte Rückenprobleme

Sitzbedingte Rückenprobleme

Am Bildschirm erstarrt … Gesundheitsproblem Sitzen

Bitte nicht um eine leichte Bürde - bitte um einen starken Rücken. (Franklin D. Roosevelt)

Viele von uns finden sich Tag für Tag in den Büros zum Sit-in ein, nehmen Platz an ihrem Schreibtisch, auf dem in aller Regel mindestens ein Bildschirm steht. Der Computer ist
heutzutage in den meisten Berufen nicht mehr wegzudenken – und obgleich sich in vielen Büros sicherlich Bewegendes tut, viel Bewegung findet hier nicht statt – rund 80.000 Stunden verbringt der durchschnittliche Büromensch im Laufe seines Arbeitslebens sitzend. Die Folgen dieses Bewegungsmangels sind bekannt – Verspannungen und Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, Rückenprobleme und Kopfschmerzen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Kombination Sitzen und Bewegungsmangel auf Dauer fast jede Wirbelsäule und Bandscheibe zermürbt. Trotz allem reagieren viele auf ›sitzbedingte‹ Rückenprobleme mit der Vermeidung jeglicher körperlicher Anstrengung – schließlich möchte man den Körper ja schonen. Erfolgversprechend ist eine solche Vermeidungsstrategie eher nicht – im Gegenteil!

Wie reagieren die einzelne Bereiche der Wirbelsäule unter anderem auf die fehlende Bewegung:

  • Ohne angemessene Belastung, sprich richtiger Bewegung, verlieren die Wirbelkörper auf Dauer an Festigkeit und die stabilisierenden Bänder rundherum erschlaffen.
  • Die Muskeln, welche die Bewegung der Wirbelsäule ermöglichen, verkümmern.
  • Die Bandscheiben bleiben nur geschmeidig und wirken dadurch dämpfend, wenn sie abwechselnd be- und entlastet werden. Andernfalls werden Sie spröde und porös.
  • Auch die Wirbelgelenke – zwischen 2 Wirbelkörpern sind die sogenannten Facettengelenke – brauchen Bewegung, ohne dieselbe schrumpfen die Gelenkkapseln, was sich schmerzhaft bemerkbar macht.
  • Aber nicht nur die Wirbelsäule, sondern auch im Bereich der unteren Extremitäten kann es Probleme geben, da Dauersitzen sowohl die Durchblutung der Beine behindert als auch für eine Verkürzung der Beinmuskulatur sorgen kann.

Mit anderen Worten: Das Leben im Schongang kommt allenfalls der Bequemlichkeit zugute, die Wirbelsäule wird so ebenso wenig geschont wie der übrige Organismus.
Der menschliche Körper ist vielmehr für Bewegung konzipiert, die er nicht nur prima verträgt, sondern für seine Gesunderhaltung auch dringend benötigt.

Dennoch sollte das Sitzen nicht unterschätzt werden – für den Rücken und auch für die Muskulatur ist jede Dauersitzung harte Arbeit. Die Bandscheiben werden beim Sitzen erheblich stärker belastet als beim Stehen oder Gehen. Setzt man beispielsweise den Druck, der auf den Bandscheiben im Gehen lastet, mit 100% gleich, so erhöht sich der Druck beim aufrechten Sitzen bereits auf 140%. Und wer entspannt, in der typischen Bürohaltung nach vorne gebeugt, am Schreibtisch Platz nimmt, sorgt mit 190% für fast doppelt so viel Druck auf die Bandscheiben wie im Stehen! Hie und da denken wir ja auch kurz daran – Sitz doch gerade! – doch das Problem ist, meist ist es nicht von allzu langer Dauer. Die aufrechte Sitzhaltung funktioniert nur mittels statischer Muskelarbeit (Haltearbeit) und obgleich man davon von außen wenig sieht, ist die doch so anstrengend, dass wir schon oftmals nach kurzer Zeit wieder in uns zusammensacken. Welche Muskeln wichtig sind um die Rumpfstabilität zu verbessern folgt in einem weiteren Beitrag.

Wenn sich die Dauersitzungen nicht vermeiden lassen, versuchen Sie mehrmals am Tag ein wenig Dynamik in ihr Sitzverhalten zu bringen:

  • Kippen Sie das Becken mehrmals vor- und zurück
  • Verlagern Sie ihr Gewicht mehrmals von der rechte auf die linke Gesäßhälfte und wieder zurück
  • Schieben Sie ihren Brustkorb nach vorne, zurück oder zur Seite
  • Strecken Sie Ihren Nacken, indem Sie den Kopf nach hinten schieben – der Kopf bleibt in einer Ebene
  • Versuchen Sie im Sitzen mit der Hüfte zu kreisen beziehungsweise 8er zu schreiben
  • Nutzen Sie die positiven Effekte der Atmung auf die Wirbelsäule und auf die Muskulatur: Setzen Sie sich aufrecht hin und atmen Sie ganz bewusst so tief wie möglich ein, lassen Sie den Atem anschließend langsam ausströmen und pressen Sie den Restatem aus Ihren Lungen.